Ausstellungsort
(temporär 05.09.2009 – 13.12.2009)

Zimmerstraße 90-91
D-10117 Berlin

Werke im Außenraum (temporär 01.09.2009 – 01.02.2010)

Vittorio Santoro
Monologism As Poetry (2009)
Installationsort
Zimmerstraße 88-89, 10117 Berlin (Brandmauer)

Fiete Stolte
Night between 7th and 8th Day / 27th Week / 2009 (2009)
Installationsort
Zimmerstraße 90-91, 10117 Berlin (Hofeinfahrt)

Lageplan

Historisches

Das Gebiet rund um den Checkpoint Charlie bildet seit Ende der 1990er Jahre einen der begehrtesten Galeriestandorte in Berlin. In dem geschichtsträchtigen Areal der Zimmerstraße 90-91 in der Nähe zum Martin-Gropius-Bau und in bester Nachbarschaft zu vielen Galerien wie der DAAD Galerie, Galerie Barbara Weiss oder Galerie Wilma Tolskdorf präsentiert die Burger Collection vom 5. September bis zum 13. Dezember 2009 zum ersten Mal Teile ihrer Sammlung der Öffentlichkeit.

Wie kaum ein anderes Gebäude symbolisiert die Zimmerstraße 90–91 die wechselhafte, facettenreiche Geschichte Berlins.
Als Vorderhaus der Markthalle III von Hermann Blankenstein 1884–1886 im Stil der Schinkelschule errichtet, erinnert der Klinkerterrakottabau zunächst an die Anstrengungen der Lebensmittelversorgung der ständig wachsenden Berliner Bevölkerung im 19. Jahrhundert.

Durch den Wandel der Friedrichstraße von Wohn- zum Geschäftsviertel unrentabel geworden, wurde die Markthalle 1910 geschlossen und zum Konzerthaus Clou umgebaut. Mit 4.000 Plätzen war es das zu dieser Zeit größte Vergnügungslokal Berlins und Symbol für das Nachtleben und die Vergnügungskultur der Goldenen Zwanziger Jahre.

Das vom Bauensemble verbliebene Vorderhaus erinnert aber auch an das dunkle Kapitel der deutschen Geschichte im Nationalsozialismus und die Zeit des geteilten Berlins: Bereits ab 1927 wurde das Clou neben Konzerten und Tanztees auch für Massenveranstaltungen der Nationalsozialisten genutzt, in deren Rahmen Adolf Hitler am 1. Mai 1927 seine erste Rede in Berlin hielt. 1930 zogen Redaktionen und Druckereien verschiedener nationalsozialistischer Propagandazeitschriften in das Vorderhaus an der Zimmerstraße ein.

Ab 1943 diente das kriegsbedingt geschlossene Clou bei der so genannten Fabrik-Aktion als Sammellager für verhaftete Juden vor ihrer Deportation. Das Bauensemble wurde zum Ende des Zweiten Weltkrieges weitgehend zerstört. Unmittelbar vor dem heute noch erhaltenen Vorderhaus verlief von 1961 bis 1990 die Berliner Mauer, das Haus gehörte in dieser Zeit zum unzugänglichen Grenzgebiet bevor es zu einem vitalen Standort der Berliner Kunst- und Kulturszene ausgebaut wurde.

Tanja Vonseelen